Verbleib der Familie Behrend Priet

Wie im einführenden Blogbeitrag zum Familienzweig Priet erwähnt, war der Verbleib von 👤Johann Priets Eltern und Schwiegereltern nach seiner Geburt für mich zunächst nicht weiter nachvollziehbar. Der Kirchenbucheintrag zu Geburt und Taufe von Johann Priet im Juni 1902 in der katholischen Kirchengemeinde St. Bernhard war das letzte Lebenszeichen der Familie in der Gemeinde Flachsmeer, welches ich auffinden konnte. Zu dem Zeitpunkt seiner Geburt war Johanns Mutter 👤Friederike Steffens jedoch erst 23 Jahre alt. Es schien daher sehr unwahrscheinlich, dass es keine weiteren Nachkommen gegeben haben sollte.

Was war bekannt? Johann Priet hat im Jahr 1927 in Wesermünde geheiratet. In einem Zeitungsartikel anlässlich der diamantenen Hochzeit im Jahr 1987 beschreibt Johann seinen Weggang aus Ostfriesland wie folgt:

 „Bereits im ersten Weltkrieg musste ich meine ostfriesische Heimat verlassen und kam als Waisenjunge zu einem Bauern nach Elmlohe.“

Dieses autobiografische Zitat des Zeitungsartikels war es, welches mich zunächst auf eine falsche Fährte führte. Ich ging nämlich davon aus, dass die Familie bis zum ersten Weltkrieg in Ostfriesland geblieben sei, dass es dann vermutlich während des Krieges einen Todesfall in der Familie gegeben habe und Johann erst danach als Waisenjunge Ostfriesland verlassen hätte.

Nachdem ich jedoch sämtliche Register von Standesämtern und katholischen Kirchengemeinden rund um Steenfelde und Flachsmeer für den fraglichen Zeitraum 1902 bis 1918 ohne jegliche Treffer durchgesehen hatte, kamen mir immer mehr Zweifel. War die Familie etwa in eine andere Ecke von Ostfriesland umgezogen?

Die überraschende Auflösung folgte, als ich vor kurzem erstmalig die katholischen Kirchenbücher im Bereich des heutigen Bremerhaven untersucht habe. Die Familie Behrend Priet ist anscheinend vor 1905 nach Lehe (heute Bremerhaven-Lehe) umgezogen. In den online verfügbaren Kirchenmatrikeln Maria Empfängnis zu Lehe habe ich zwei Einträge entdeckt:

  • Im Februar 1905 verstirbt Johanns Vater 👤Behrend Priet im Alter von nur 27 Jahren an „Lungenschwindsucht“. Laut Kirchenbuch hinterlässt er 4 Kinder. Es bleibt hier jedoch unklar, inwiefern es sich dabei um seine eigenen oder auch um Stiefkinder handelt.1
  • Im Folgejahr 1906 verstirbt dann auch noch Johanns kleiner Bruder
    👤Heinrich Friedrich Priet an der Schwindsucht. Er wurde nicht einmal 2 Jahre alt. Ich vermute, dass seine Geburt am 18. Mai 1904 bereits in Lehe stattgefunden hat, kann dies aber derzeit noch nicht belegen, weil das fragliche Kirchenbuch nicht online einsehbar ist.
Sterbeeintrag Behrend Priet (ICARUS – International Centre for Archival Research, CC BY-NC-ND 2.0)

Welche Fragen sind weiterhin offen oder ergeben sich aus den neuen Erkenntnissen?

Die zweifache Witwe Frederike ist zum Zeitpunkt des Todes ihres zweiten Ehemannes im Jahr 1905 mit nun 25 Jahren immer noch ziemlich jung. Neben ihrem Alter sprechen weitere Indizien dafür, dass sie vermutlich nochmals geheiratet und ggf. den Wohnsitz gewechselt haben könnte. So hatte Johann Priet laut mündlicher und fotografischer Überlieferung einen Halbbruder namens Anton, welcher im Jahr 1937 geheiratet hat (Großen Dank an Maruth für das Hochzeitsfoto!). Die weitere Suche gestaltet sich die Suche aufgrund unveröffentlichter Kirchenbücher und Sperrfristen für standesamtliche Register jedoch schwierig. Einen ersten Anhaltspunkt könnten hier aber eventuell die historischen Adressbücher von Bremerhaven bzw. Lehe liefern, die im Stadtarchiv Bremerhaven vorliegen.

Johann Priet kam laut dem bereits erwähnten Artikel zur Diamantenen Hochzeit von seiner Anstellung in Elmlohe nach Donnern und anschließend nach Sellstedt, wo er dann seine spätere Frau 👤Herta Lühr kennenlernte. Johann erzählt weiterhin: „Ich wagte den riskanten Sprung in die Arbeitslosigkeit, zog nach Lehe und heiratete meine Herta.“ Es wird vermutlich extrem schwierig, genaueres zu den Dienstzeiten bei den Bauern oder zur Dauer der Arbeitslosigkeit herauszufinden, aber zumindest der Umzug nach Lehe sollte sich irgendwie nachvollziehen lassen. Zum Beispiel über die bereits erwähnten historische Adressbücher. Es wird also wirklich demnächst einmal Zeit für einen Gang ins Stadtarchiv Bremerhaven…

  1. Behrends Ehefrau Friederike war in erster Ehe bis zu dessen Tod mit Behrends Bruder Hinderk Priet verheiratet und hatte mit ihm gemeinsam auch mindestens 2 Kinder. ↩︎